Workshop 03.07.2012, Paderborn

Am 3. Juli 2012 fand in Paderborn ein Workshop des Arbeitskreises Traceability / Evolution der GI-Fachgruppe OOSE statt, der im Rahmen der gemeinsamen Jahrestagung der GI-Fachgruppen OOSE und SWA durchgeführt wurde.

 

Ort/Adresse: Fürstenallee, Paderborn (Gebäude: Zukunftsmeile)

 

Ziele des Workshops

Die erfolgreiche Weiterentwicklung ist die Voraussetzung dafür, geschäftskritische Softwaresysteme langfristig nutzen zu können. Besonders kritisch bei den dazu notwendigen Änderungen ist der Erhalt der Konsistenz und das Erreichen von Vollständigkeit. Traceability-Beziehungen und explizit modellierte Abhängigkeiten zwischen den Artefakten des Entwicklungsprozesses wie Anforderungen, Entwurfsmodelle, Quellcode und Tests können ausgewertet werden, um diese Auswirkungen zu erfassen, zu bewerten und zu prüfen. Angesichts der hohen Komplexität der Entwicklungsaufgaben bei Änderungen ist die Erfassung solcher Beziehungen und Abhängigkeiten in Modellen und Werkzeugen erforderlich. Der Workshop sollte die Ergebnisse und Problemstellungen der Forschung mit industriellen Erfahrungen und Anforderungen zusammenführen und zur Ermittlung der aktuellen Herausforderungen beitragen. Außerdem sollte eine Festlegung der nächsten Ziele des Arbeitskreises erfolgen.

 

 

Vorträge

Andrea Hermann, Stuttgart: 

Die Komplexität der Traceability

Abstract: Die Komplexität eines Software-Projektes entsteht weniger durch die Anzahl und Größe von Dokumenten und Code-Dateien, sondern vor allem durch deren gegenseitigen Verknüpfungen. Dieser Vortrag behandelte die folgenden Fragen:
- Wie misst man die Komplexität der Verknüpfungen zwischen den Software-Artefakten?
- Wo stößt man bei der Darstellung der Traceability auf kognitive Grenzen?
- Wie kann man diese Komplexität verringern?
- Ausblick: Forschungsideen


Elke Bouillon, TU Ilmenau: 
Requirements-Traceability in der industriellen Praxis - Ziele und Einsatz 

Abstract: Als wichtiges Kriterium für den Einsatz von Traceability in der Praxis wird die Anpassung der Traceability an konkrete Projekte genannt. Dabei geht es neben der Einpassung in den konkreten Softwareentwicklungsprozess und die spezifische Unternehmenskultur auch um eine Anpassung an die konkreten Aktivitäten, die mit Traceability unterstützt werden sollen. So lassen sich Aufwand und Nutzen in Balance bringen. Zudem steigt die Akzeptanz der Mitarbeiter gegenüber dem zunächst höheren Aufwand.
Der Vortrag stellte einen Katalog möglicher Nutzungsszenarien von Traceability in der Praxis vor. Als Ergebnisse einer Umfrage wird präsentiert, welche davon tatsächlich in der Praxis eingesetzt werden.

Paper als PDF (publiziert in Softwaretechnik-Trends)

Patrick Rempel, Tobias Kuschke, Steffen Lehnert, TU Ilmenau:
Defining Criteria for Traceability Tool Comparison

Abstract: The need for automated traceability support has been issued by various researchers and practitioners alike, thus many tools and methodologies have been developed to overcome the limitation of manual traceability detection and usage. However the large amount of traceability tools is lacking suitable means for reasonable comparison based on well-defined criteria, which in turn complicates the process of choosing the appropriate tool. Thirteen criteria were proposed and discussed for comparing traceability tools according to the needs of five different types of stakeholders. To demonstrate the feasibility of their classification scheme, they organized three traceability tools according to its criteria.

 

Diskussion der nächsten Veranstaltungen des Arbeitskreises Traceability

Ziel der Diskussion war die Ermittlung aktueller Herausforderungen an Traceability und die Feststellung offener Forschungsfragen in diesem Gebiet.

Die Vorträge hatten bereits eine Reihe von Fragestellungen der praktischen Anwendung und des Aufwand-Nutzen-Verhältnisses von Traceability bei der evolutionären Entwicklung von Software angesprochen und zu interessanten Diskussionen geführt. Die Diskussion wurde dadurch belebt, dass die Teilnehmer der Veranstaltung Fragestellungen der Traceability aus unterschiedlichen Blickwinkeln kennengelernt und erfahren hatten.
Ausgehend vom persönlichen Erfahrungshintergrund der Teilnehmer wurden Fragestellungen gesammelt, die als Themen für die weitere Arbeit auf dem Gebiet der Traceability und damit auch für die Arbeit des Arbeitskreises in Frage kommen. 
In der anschließenden Diskussion der gesammelten Fragestellungen wurde erkannt, dass vor allem die Anwendung von Traceability bei Entwurfsentscheidungen für Architekturen von Bedeutung ist. Es konnten drei Schwerpunkte der Anwendung von Traceability als Referenz identifiziert werden:

·       Verlinkung von Entwurfszielen Requirements, Tickets

·       Verlinkung von existierenden Artefakten Reengineering

·       Abschätzung vom Auswirkungen und Aufwand von Änderungen Impact Analysis

Es wurde beschlossen, daß bei der weiteren Arbeit des Arbeitskreises die Untersuchung dieser Schwerpunkte im Zentrum stehen sollte. Dazu wurde eine Reihe von Ideen für die weitere Arbeit zusammengetragen. Daraus entwickelten die Teilnehmer des Workshops das Ziel, die gemeinsame Arbeit an diesen Schwerpunkten über den Workshop hinaus kontinuierlich fortzusetzen. Es wurde vereinbart, zwecks besserer Fokussierung eine gemeinsame Publikation anzustreben. Die überwiegende Mehrheit der Workshop-Teilnehmer sagte zu, sich an diesem Vorhaben zu beteiligen.

Vereinbarung über weitere Arbeit der Teilnehmer bis zum nächsten Treffen

Es wurde beschlossen, im Zeitraum bis zum nächsten Treffen eine Publikation zu entwickeln, die die Einbettung von Traceability in einen agilen Entwicklungsprozess ähnlich Scrum zeigt. Dabei sollte ein Vorgehen demonstriert werden, dass zu einem ausgewogenen Aufwand-Nutzen-Verhältnis führen sollte.  Traceability Links sind dann Hyperlinks zwischen Artefakten wie Stories, Backlog, Metaphor. Eine  Erhebung der Traceability-Information ist möglich aus Versionierungssystem (beispielsweise Diff: Referenz zu Ticket) oder aus aus Ähnlichkeiten von Bezeichnern.
Die Teilnehmer haben vereinbart, die Bearbeitung in einem engen Zeittakt fortzusetzen. Für die ersten Beratungen wurden Telefonkonferenzen mit gemeinsamer Bearbeitung des Textes der zu entwickelnden Publikation durchgeführt. Diese Fragestellungen wurden vorab von den verschiedenen Teilnehmer bearbeitet.

Nächste Ziele

Geplant wurde, die Ergebnisse als wissenschaftliche Publikation zu verbreiten; gegebenenfalls auch als Publikation mit Fokus auf Entwickler in der industriellen Praxis. Letzteres könnte in der Themen-Ausgabe „Innovatives IT-Mangement“ der Zeitschrift Objekt Spektrum 02/2013 erscheinen.
Desweiteren sollten die Ergebnisse auch auf dem nächsten Workshop der FG Requirements Engineering vorgestellt und diskutiert werden. Der Termin der Einreichung  war der 1.10.2012 zur Bereitstellung eines Extended Abstract.
Ein weiteres Treffen wurde für das Frühjahr 2012 geplant

 

Stand 10.08.2012 M. Riebisch

Zur Organisation

Siehe hierzu auch als PDF: die Einladung.