Workshop 13.01.2011 Heidelberg

Am 13.01.2011 wurde an der Universität Heidelberg von unserem Arbeitskreis Traceability/ Evolution der GI-Fachgruppe OOSE ein Workshop zum Thema "Impact Analysis" organisiert und in Zusammenarbeit mit der GI-FG Requirements Engineering durchgeführt (Adresse: Im Neuenheimer Feld 368, 69120 Heidelberg).


Ziele des Workshops

Für eine erfolgreiche Weiterentwicklung von Softwaresystemen ist die Analyse der Auswirkungen von Änderungen (Impact Analysis) von großer Bedeutung. Traceability-Beziehungen und Abhängigkeiten zwischen den Artefakten des Entwicklungsprozesses wie Anforderungen, Entwurfsmodellen, Quellcode und Tests können ausgewertet werden, um diese Auswirkungen zu erfassen, zu bewerten und zu prüfen. Angesichts der hohen Komplexität der Entwicklungsaufgaben bei Änderungen an existierenden Softwaresystemen soll "Impact Analysis" helfen, solche Änderungen korrekt, konsistent und vollständig umzusetzen. Ziel des Workshops war, die Ergebnisse und Problemstellungen der Forschung mit industriellen Erfahrungen und Anforderungen zusammenführen. Er diente der Ermittlung der Herausforderungen, Forschungsfragen und Ziele, weshalb fokussierte Diskussionen einen breiten Raum einnehmen.

 

Format

Der Workshop bestand zu gleichen Teilen aus Vorträgen und Gruppendiskussion. Im Vortrags-Teil wurde von Mitgliedern des Arbeitskreises und der beteiligten Gruppen der Stand der Technik, neue wissenschaftiche Ergebnisse sowie industrielle Anwenderberichte vorgestellt. Er diente der Vorbereitung der Gruppendiskussion im zweiten Teil, die stark von den Standpunkten, Interessen und Beiträgen der Workshop-Teilnehmer beeinflußt werden sollte.

 

Vorträge

Hannes Schwarz, Uni Koblenz: 
Ein generischer Ansatz für die Definition ausdrucksstarker Traceability-Beziehungen  Folien

Abstract: Die Notwendigkeit von Traceability für zahlreiche Anwendungsgebiete im  Bereich der Softwareentwicklung, z.B. Wartung, Qualitätssicherung, oder Projektmanagement wird weithin anerkannt. Da die Beschreibung der Semantik von Traceability-Beziehungen meist nur natürlichsprachlich erfolgt, ist eine Automatisierung wiederkehrender Aktivitäten wie Konsistenzüberprüfung und die Änderung von Artefakten und Traceability-Beziehungen nicht möglich.

In diesem Vortrag wurde ein generisches, auf verschiedene Technologien anwendbares Template zur Definition von Traceability-Beziehungen vorgestellt. Dabei wurde vor allem auf eine möglichst präzise, formalisierte Beziehungssemantik Wert gelegt. Darauf aufbauend wurde gezeigt, wie das Template für modell- sowie ontologiebasierte Technologien instanziiert werden kann. Die Darstellung zweier Beispielanwendungen rundete den Vortrag ab.


Andrea Hermann, Uni Braunschweig / Axivion GmbH: 

Spezifikation von Software-Änderungen für die Impact Analyse  Folien

Abstract: Während die Lehrbücher Software auf der grünen Wiese spezifizieren, entwickeln in der Praxis die meisten Projekte komplexe und leider undokumentierte Altsysteme weiter. Stand der Praxis ist es, solche Änderungen als Freitext in einer Change Request Vorlage zu beschreiben. Diese unterstützen jedoch die "Impact Analyse" nicht, sondern dokumentieren nur deren Ergebnisse.
Dieser Vortrag präsentierte "Lessons Learned" aus einigen explorativen Fallstudien zur Spezifikation von Software-Änderungen. Es wurde ein neuer pragmatischer Ansatz vorgestellt, Änderungen auf Ebene der Anforderungen und der Architektur so zu beschreiben, dass sie die "Impact Analyse" unterstützen.


Thomas Goldschmidt, ABB Corporate Research:
Effiziente "Impact Analyse" zur Reevaluierung von OCL-basierten Beziehungen und Einschränkungen in Modellen  
Folien

Object Constraint Language (OCL) - basierte Ausdrücke sind ein probates Mittel um Einschränkungen und komplexe Beziehungen zwischen Modellelementen zu definieren. Bei Änderungen im Modell müssen diese Ausdrücke jedoch reevaluiert werden um zu überprüfen, ob sich ihr Wert geändert hat. In größeren Modellen kann dies schnell zu Performance-Problemen führen. In diesem Vortrag wurde ein Ansatz präsentiert, der es erlaubt, mit Hilfe von diversen Optimierungsverfahren eine möglichst geringe Menge an Ausdrücken reevaluieren zu müssen. 


Matthias Riebisch, Stephan Bode, Steffen Lehnert, TU Ilmenau: 

EMFTrace – Werkzeugunterstützung für Traceability-Nutzung über Werkzeuggrenzen hinweg Folien

Abstract: Im Vortrag wurden die Kernkonzepte des gegenwärtig entwickelten Repositories EMFTrace vorgestellt. In diesem Werkzeug werden Traceability-Informationen aus weit verbreiteten CASE-Tools des Requirements Engineering, der Softwareentwicklung und des Projektmanagements zusammengeführt, verwaltet und ausgewertet. Im Vortrag wurden die Ziele des Vorhabens, die wichtigsten Konzepte und die Nutzung bei der Bewertung von Qualitätsmerkmalen gezeigt. Insbesondere wurde darauf eingegangen, welche Unterstützung für die evolutionäre Softwareentwicklung die regelbasierte Auswertung der Traceability-Informationen bietet. Ihr Einsatz beim Zusammenwirken mit weiteren Werkzeugen für den Softwarearchitektur-Entwurf wurde erläutert.

 

Workshop-Diskussion

Anschließend fand eine Workshop-Diskussion statt mit folgenden Zielen: 

  • aktuelle Herausforderungen
  • offene Forschungsfragen und deren Priorität aus Sicht von akademischer Forschung und industrieller Anwendung
  • Notizen als PDF

 

Beschluss
Organisation eines Folge-Workshop: „Traceability zwischen Anforderungen und Architektur“ mit Schwerpunkt auf Verknüpfen von Architekturentwicklungsmethoden mit Requirements Engineering im Herbst 2011

 

Teilnehmer

Bode, Stephan, TU Ilmenau
Delater, Alexander, Uni Heidelberg
Farooq, Qurat-Ul-Ann, TU Ilmenau
Fülleborn, Alexander, MID GmbH,  Nürnberg
Goldschmidt, Thomas, ABB Forschungszentrum Ladenburg
Golubitskiy, Dmitriy , TU München
Herrmann, Andrea, Axivion GmbH
Küster, Martin, FZI Karlsruhe
Lehnert, Steffen, TU Ilmenau
Mou, Dongyue, TU München
Riebisch, Matthias, TU Ilmenau
Schwarz, Hannes, Uni Koblenz-Landau
Wallnöfer, Armin, ABB Forschungszentrum Ladenburg

 

Herzlichen Dank an Frau Prof. Paech für die Gastfreundschaft

 

 

Stand 10.03.2011 M. Riebisch